20 Jahre Wiedervereinigung Deutschlands

Aktuelles

Haßfurt, 30.09.2010

Gegner der Promi-Fußballmannschaft steht fest
Die SG Gompertshausen/Hellingen spielt in der Kreisliga in Thüringen

Landkreis Haßberge. Wenige Tage vor dem Wiedervereinigungsfest in Maroldsweisach ist klar: Das Gaudi-Fußballspiel am Samstag Nachmittag kann stattfinden! Wie berichtet suchte eine Auswahl von Bürgermeistern und Kreisräten aus dem Landkreis Haßberge über die Lo kalpresse nach einem Gegner. Nachdem alle Bewerbungen geprüft waren, kam man zu dem Entschluss, die SG Gompertshausen/Hellingen zum Match zu laden. „Es gibt wohl keinen besseren Gegner für das Spaß-Fußballspiel am Wiedervereinigungsfest“, bekräftigt Horst Hofmann, Geschäftsführer des Landratsamtes Haßberge, die Entscheidung. Schließlich käme der Kreisligist aus der ehemaligen DDR, genauer dem Landkreis Hildburghausen.

Jetzt ist es am Sander Gerhard Zösch, seine Männer zusammen zu trommeln. Er ist Coach und Torhüter im Team des „FC Landkreis“. Und er wartet mit einer Überraschung auf. „Ich werde versuchen, die Kreisrätin Monika Weinbeer für das Spiel zu gewinnen. Wir zwängen sie in ein Trikot und vielleicht spielt sie wenigstens eine Viertelstunde“, so Zösch. Dabei sei an dieser Stelle angemerkt, dass die Rauhenebracher CSU-Politikerin keineswegs in ein Trikot „gezwängt“ werden muss. Anders sieht das bei einigen Herren aus. Denn die Hosen der Landkreis-Trikots zwicken bei einigen an den üblichen Stellen. Doch auch dafür gibt es, laut Zösch, eine Lösung: „Ich frag mal beim FC Sand nach Hosen ab Größe 7. Da passt jeder rein.“
Wer letztendlich die knappen, und wer die bequem weiten Hosen trägt ist nicht bekannt. Wer am Samstag beim Wiedervereinigungsfest ab 14.30 Uhr auf dem Spielfeld steht dagegen schon. Fol- gende Bürgermeister werden die Fußballschuhe schnüren: Thomas Sechser (Oberaurach), Oskar Ebert (Rauhenebrach), Rudi Eck (Haßfurt), Walter Ziegler (Ebelsbach), Wilhelm Schneider (Ma- roldsweisach), Jochen Steppert (Kirchlauter), Thomas Stadelmann (Zeil am Main), Hubert Endres (Bundorf).

Noch nicht ganz gewiss ist die Teilnahme von Bernhard Ruß, dem Sander Bürgermeister. Der habe Hüftprobleme, meint Coach Zösch. Allerdings sei Ruß sehr ehrgeizig. „Ich hoffe dass er wenigstens aufläuft und den Anstoß macht. Vielleicht reicht es ja für eine Viertelstunde.“ Ein kritisches Auge will Zösch unterdessen auf Eltmanns Bürgermeister Michael Ziegler werfen. „Ich glaube der war kein großer Fußballer, aber vielleicht hat er ja wenigstens ein paar Fußballschuhe.“ Er wolle beobachten, ob Ziegler auch für weitere Spiele tauge.

Den Gegner, die SG Gompertshausen/Hellingen, kann Gerhard Zösch überhaupt nicht einschätzen. „Ich kenne die Mannschaft nicht, aber das sind bestimmt junge Leute, die noch voll im Saft stehen.“ Zösch, der selbst schon 61 ist, ist jedoch zuversichtlich: „Meine Devise wird lauten: Den Ball laufen lassen und dann kriegen wir mit Sicherheit ein gutes Spiel.“ Einen Tipp wollte er nicht abgeben. „Ein Gerechtes ist bei einem solchen Spiel immer gut. Aber ob´s jetzt 4:4 oder 6:6 ausgeht, ist egal. Hauptsache unsere Zuschauer sehen einen guten Fußball.“ Für sich selbst hofft Keeper Zösch auf einige Torschüsse: „Ich will ja was zu halten haben“!

Während dieser Artikel entstanden ist, klingelte übrigens das Telefon. In der Leitung war Maroldsweisachs Bürgermeister Wilhelm Schneider. Zum Fußballspiel gefragt meinte er nur: „Wir treffen zwar auf eine Mannschaft, gegen die wir keine Chance haben, aber Hauptsache es macht Spaß.“ Ob die Chance auf einen Sieg des „FC Landkreis“ am Ende so gering ist, wie Schneider befürchtet, wird sich am Samstag zeigen. Anpfiff ist um 14.30 Uhr am Sportplatz, direkt neben dem Festzelt in Maroldsweisach. Das Programm zum Wiedervereinigungsfest und alle aktuellen Informationen finden Sie auf www.20jahre-deutschland.de.


Haßfurt, 28.09.2010

Maroldsweisach will „Muckis“ zeigen!
Bei den Vorbereitungen zum Wiedervereinigungsfest herrscht der „Sturm vor dem Ansturm“.

Landkreis Haßberge. Wer in diesen Tagen jemandem über den Weg läuft, der in irgendeiner Weise in die Organisation des Wiedervereinigungsfestes eingebunden ist, wird wenig Kommunikation erfahren. „Wir gehen in die heiße Phase. Es ist noch jede Menge zu tun“, beschreibt Walter Marggraf aus dem Landratsamt Haßberge die Situation. Er fährt jeden Tag mindestens einmal nach „Maro“, um dafür zu sorgen, dass Fahnenmasten an der richtigen Stelle stehen, die Stände aufgebaut werden oder das Festbüro einen Internetanschluss erhält.


Das „stillste Örtchen“ hat wohl der Trabbi ergattert, der am Sonntag Nachmittag im Festzelt einen neuen Besitzer finden wird. Der original Trabant 601 S Sachsenring verbringt die restlichen Tage bis zu seiner Verlosung vor dem Rathaus in Maroldsweisach. Zwar ist er dort Wind und Wetter ausgesetzt, das scheint ihm aber keine Stress(Rost)flecken zu bereiten. Hat er doch zu DDR-Zeiten schon Schlimmeres erlebt.

Direkt über ihm sitzt Bürgermeister Wilhelm Schneider in seinem Büro. Normalerweise. Denn sein Schreibtisch bekommt ihn dieser Tage nur selten zu sehen. Entweder beantwortet Schneider Interviewanfragen, befindet sich in Haßfurt im Landratsamt, um letzte Absprachen zu treffen, oder auf dem Festgelände, wo seit gestern das 3000-Mann-Zelt steht und dekoriert werden will. „Das Fest hat für Maroldsweisach mehrere Bedeutungen“, so Schneider. Noch nie haben in der Marktgemeinde so viele verschiedene Vereine zusammengearbeitet. Alle packen mit an. Immerhin sind über 300 Helfer für Samstag und Sonntag eingeteilt. Der Rathauschef sieht viele Vorteile darin: „Wir können bei dem Fest unsere Leistungsstärke zeigen und auf der anderen Seite ein bisschen Eigenwerbung machen. Zum Beispiel werden wir unser Projekt Deutscher Burgenwinkel vorstellen, das zusammen mit dem Landratsamt Haßberge und sieben weiteren Kommunen entwickelt wurde.“

Spricht Wilhelm Schneider vom Thema Wiedervereinigung, muss er feststellen, dass „viele im Laufe der Jahre das Interesse daran verloren haben“. Maroldsweisach sei besonders betroffen, weil auf dieser Seite der Grenze viele Arbeitsplätze an ehemalige DDR-Bürger gefallen sind. Trotzdem pflege man auch heute noch gute Kontakte zu den anliegenden „Grenz-Gemeinden“. Man arbeite gut zusammen, vor allem wenn es um historische Feierlichkeiten ginge, so Schneider. Ansonsten begegne man sich wie Nachbargemeinden es schon früher im Westen getan haben. Alles sei „ganz normal geworden“.

Dass die Zusammenarbeit zwischen Ost und West reibungslos funktioniert, beweisen die sechs, in das Wiedervereinigungsfest, eingebundenen Landkreise und Kommunen. Kein anderes Beispiel könne besser darlegen, dass alle Hand in Hand arbeiten. Der Landkreis Haßberge ist zwar federführend bei der Organisation, dennoch gaben sich im letzten Jahr alle anderen Mitwirkenden viel Mühe bei der Gestaltung des wohl größten Festes anlässlich der Deutschen Einheit an der innerdeutschen Grenze.

Wilhelm Schneider bedankt sich schon im Voraus bei allen Helfern, ehrenamtlichen Koordinatoren und den Organisations-Teams aus den Ämtern. Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass die Besucher recht zahlreich nach Maroldsweisach strömen, um außergewöhnliche Handwerkskünste zu bestaunen, die Gruppe „Aischzeit“ live zu erleben, die Fotoausstellung von Reinhold Albert, der unendlich viele Bilder aus seiner Zeit als Grenzpolizist gesammelt hat, anzusehen, oder die Rede von Thüringens ehemaligem Ministerpräsidenten Dr. Bernhard Vogel zu hören. Das Wetter spielt übrigens kaum eine Rolle. Viele Attraktionen finden nämlich drinnen statt. Folgende Information dürfte viele trotzdem interessieren: Der Himmel soll am 2. und 3. Oktober häufig genau so blau sein, wie der Trabant 601 S Sachsenring. Und Blau ist doch eine sehr beruhigende Farbe.


Haßfurt, 28.09.2010

„Er hat geschossen und ist dann in den Westen geflüchtet!“
Der ehemalige Grenzpolizist Reinhold Albert zeigt eine Fotoausstellung am Wiedervereinigungsfest in Maroldsweisach

Landkreis Haßberge. Insgesamt 1378 Kilometer war sie lang, die Grenze, die bis vor 20 Jahren Deutschland teilte. 30.000 Grenzsoldaten des DDR-Regimes und ein nahezu unüberwindbarer Sperrgürtel sollten dafür sorgen, dass niemandem die Flucht von Ost nach West gelang. Auf der anderen Seite des Grenzzaunes hatte die Regierung der Bundesrepublik Deutschland keine Soldaten postiert – hier hießen die „Bewacher“ Grenzpolizisten.


Einer davon war Reinhold Albert aus Steinberg im Grabfeld. Heute ist er im Polizeipräsidium Ebern tätig. Von 1977 bis 1990 war er bei der Bayerischen Grenzpolizeistation in Maroldsweisach. Eine Zeit, die er nie vergessen wird. Einige Ereignisse haben sich ihm regelrecht ins Gedächtnis gebrannt. „Eine Flucht in Ermershausen ist mir besonders in Erinnerung geblieben. 1985/86 hat ein DDR-Grenzsoldat seinen Streifenkollegen niedergeschossen und ist dann über die Grenze in den Westen geflüchtet. Der Mann wurde später wegen versuchten Totschlags vom Landgericht Bamberg zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt.“ Geschichten dieser Art kann Reinhold Albert viele erzählen. Aber auch die vielen Fotos, die er besitzt, lassen tief blicken in die Zeit, in der es noch Ost- und Westdeutschland gab.

Albert interessiert sich für seine Heimat, für die Vergangenheit. 1953 geboren, hat er schon als Kind erfahren, was es hieß, nicht auf die „andere Seite“ gehen zu können. Er wuchs in Steinberg im Grabfeld auf, nur einen Kilometer von der Grenze nach Thüringen entfernt. Schon als Kind beschäftigte ihn die Trennung Deutschlands. Während seiner Zeit als Grenzpolizist arbeitete Albert auch in einer Grenzinformationsstelle im Maroldsweisacher Gemeindeteil Dürrenried. Bis zur Wiedervereinigung versorgten er und seine Kollegen insgesamt 30.000 Besucher mit Informationen zur Teilung Deutschlands, der Brutalität der Grenzsoldaten in der DDR und zeigten ihnen bei Führun- gen Sperrzone, Todesstreifen und Minenfelder. Und er sagte Ihnen auch: „Frühestens meine Enkelkinder werden einmal erleben, dass diese Grenze geöffnet wird.“ Mit dem Fall der Mauer im Jahr 1990 habe er nie gerechnet, nachdem er so viel Leid, Trauer und Wut gesehen hatte. „Für mich ist das heute noch ein göttliches Wunder“, so Albert. Immer wenn er die ehemalige Grenze nach Thüringen überquere, laufe es ihm heute noch eiskalt den Rücken hinunter. Denn jetzt könne man rüber in die „verbotene Zone“. „Damals war die Grenze das Ende der Welt.“

Ein Stück dieser Welt hat Reinhold Albert in seinen Fotos festgehalten. Auch ließ er vor Jahren einige Filmdokumente digitalisieren. Sowohl seine Fotosammlung als auch die beiden Filme werden am kommenden Sonntag, dem Tag der Deutschen Einheit, beim Wiedervereinigungsfest in Maroldsweisach gezeigt. In der Aula der Hauptschule, direkt am Festgelände, werden eindrucksvolle und bewegende Bilder ausgestellt, die von 1945 bis 1990 die Zeit des geteilten Deutschlands dokumentieren. Die beiden Filme dauern etwa 20 Minuten und laufen zwischen 11 und 17 Uhr immer wieder, sodass kein Besucher die Dokumentation verpasst. Noch mehr aus dem Programm zum Wiedervereinigungsfest am 2. und 3. Oktober finden Sie auf www.20jahre-deutschland.de.

Reinhold Albert vor der Hauptschule in Maroldsweisach. Dort wird er am Sonntag, 3. Oktober
Fotos zeigen, die das Leben an und mit der Grenze zur ehemaligen DDR dokumentieren.
Er selbst ist in einem grenznahen Ort aufgewachsen und hat später als Grenzpolizist erlebt,
wie ein DDR-Soldat seinen Streifenkollegen niederschoss und in den Westen floh.

 

 

Haßfurt, 23.09.2010

Fußball-Team aus Bürgermeistern und Kreisräten sucht Gegner
1. FC Sand spielt nicht beim Wiedervereinigungsfest

Landkreis Haßberge. Fußball-Landesligist 1. FC Sand wird, entgegen der Planungen, nicht beim Wiedervereinigungsfest in Maroldsweisach spielen. Zunächst war ein Freundschafts-spiel für den 2. Oktober um 14.30 Uhr angesetzt. Dieses musste Sand wegen eines Punktspiels gegen die Kickers Würzburg absagen.


Die Organisatoren der Feierlichkeiten aus dem Landratsamt Haßberge fanden jedoch schnell eine Lösung. Nun soll eine Mannschaft aus Bürgermeistern und Kreisräten antreten. Allerdings hat sich noch kein Gegner gefunden. Die Politiker aus dem Landkreis wünschen sich eine Damenfußball-Mannschaft für das Gaudi-Spiel. Es wäre aber auch eine andere (Alt)-Herrenmannschaft denkbar. Interessierte können sich ab sofort bewerben. Diese können aus allen Landkreisen, die an der Organisation der Wiedervereinigungsfeierlichkeiten beteiligt sind, stammen. Darunter die Landkreise Haßberge, Coburg, Sonneberg, Hildburghausen und die Stadt Coburg.

Damit der potentielle Gegner weiß, worauf er sich einlässt, beschreibt Horst Hofmann, Leiter der Hauptverwaltung im Landratsamt Haßberge, sein Team so: „Unsere Mannschaft besteht etwa zu 50 Prozent aus Bürgermeistern des Landkreises Haßberge. Die sportliche Leistung bewegt sich schon fast auf Nationalmannschafts-Niveau.“ Mit einem weiteren Augenzwinkern fügt er hinzu: „Die Trainingserfahrung ist nicht überdurchschnittlich zu bewerten. Ich glaube aber, dass große, technische Fähigkeiten in der Mannschaft stecken. Wer sich das Spiel ansieht, wird auf seine Kosten kommen.“ Im Kader des Politiker-Teams sind u. a. Bernhard Ruß (Bürgermeister Sand am Main und stellv. Landrat), Dieter Möhring (Bürgermeister Aidhausen) und im Sturm Wilhelm Schneider (Bürgermeister Maroldsweisach). Im Tor steht Gerhard Zösch aus Sand, der gleichzeitig Trainer der Landkreis-Herren ist.

Wer Zeit, Lust und Kondition und ein wenig Mut hat am 2. Oktober gegen die Politiker-Auswahl anzutreten: Bitte bewerben Sie sich im Landratsamt Haßberge bei Nadine Leuchter in der Pressestelle:
nadine.leuchter@landratsamt-hassberge.de.

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